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"Szene für ALLE!"

Pressemitteilung vom 19.11.2013

Eine inklusive Szene für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle (LSBTTI) mit Behinderung ist das erklärte Ziel: Der bundesweit aktive Verein queerhandicap e.V. beleuchtete während einer Tagung in Münster die Barrierefreiheit in Szene-Kneipen und im Internet sowie in den Köpfen der Menschen.

"Das ist doch nur eine kleine Stufe." - Kleiner Satz, kleine Stufe, große Wirkung. Viele Menschen stoßen durch die Barrieren in ihren Köpfen an die Grenzen ihrer Sensibilität für Menschen mit Behinderung. Das wurde unter anderem bei einer Tagung von queerhandicap e.V. deutlich. Um das Thema Barrierefreiheit in der Szene voranzutreiben müsse vor allem ein Umdenken bzw. ein Mitdenken bei denen stattfinden, die ohne Behinderung leben. Denn eine kleine Stufe kann ein großes und sogar ein unüberwindbares Hindernis für Rollstuhlfahrer_innen sein.

Zur Tagung in Münster waren LSBTTI mit Behinderung, Vertreter_innen der LSBTTI-Szene und Fachkräfte zum Austausch von persönlichen Erfahrungen und Expert_innen-Wissen in das Jugendgästehaus am Aasee geladen. Etwa 30 Tagungsgäste folgten dieser Einladung. Neben dem Workshop "Aktiv vor Ort" und dem Besuch der "HuSch-Party" der AidsHilfe Münster stand die Podiumsdiskussion "Szene für ALLE!" auf dem Programm.

Teilnehmende waren Axel Fiegler (Szene-Wirt), Werner (Vertreter des Stammtisches "Ich liebe wen ich will" für Schwule und Lesben mit Behinderung), Caroline Frank (Projektleiterin der Kampagne "anders und gleich" und Vorstand CSD Münster e.V.) sowie Richard Michael Halberstadt (CDU-Mitglied des Stadtrats und offizieller Vertreter der Stadt Münster). Moderator Andreas Schnier von queerhandicap e.V. leitete durch die Diskussion.

Podium in Münster mit namhaften Vertreter_innen aus Szene und Politik
© queerhandicap.de

LSBTTI mit Behinderung haben nicht nur in der Allgemeinbevölkerung, sondern auch innerhalb der Szene durch ihre Behinderung mit Diskriminierung zu kämpfen. Durch das Merkmal ihrer sexuellen Identität werden sie oft zusätzlich ausgegrenzt. Um die Szene zu einem diskriminierungsfreien Raum auf allen Ebenen zu machen, stellte queerhandicap e.V. im Rahmen der Podiumsdiskussion konkrete Fragen:

  • Was können Lokalbetreiber_innen für LSBTTI mit Behinderung tun?
  • Welche Strategien können in der Öffentlichkeitsarbeit für LSBTTI mit Behinderung eingesetzt werden?
  • Was kann eine Kommune für Menschen mit Behinderung allgemein und für LSBTTI mit Behinderung speziell tun?

In vielen Lokalitäten ist zwar der barrierefreie Zugang möglich, aber die Toiletten befinden sich im Keller. Das macht einen gemütlichen Kneipenabend für Menschen mit Behinderung dort unmöglich. Auch gilt das Label "barrierefrei" auch für Lokalitäten, in denen der Hintereingang mit einer Rampe für Rollstuhlfahrer_innen ausgestattet ist - aber das wird von vielen als entwürdigend empfunden und steht konträr zur Idee der Inklusion. Axel Fiegler zeigte sich sehr offen und interessiert, im Rahmen der Neueröffnung seines Clubs "XL" in Münster auf Barrierefreiheit zu achten und entsprechende Baumaßnahmen einzuleiten.

Häufig werden Veranstaltungen nicht speziell für Menschen mit Behinderung beworben. Das ist nicht nur für die Betroffenen schade, sondern auch verspieltes Potential in der Werbestrategie. Denn im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit können Piktogramme eingesetzt werden, die bildhaft kommunizieren, dass die Party, die Lesung, der Workshop oder das Konzert für ALLE zugänglich ist. Caroline Frank versprach als Vorsitzende des CSD Münster e.V., diese Piktogramme im Rahmen der Werbung für den CSD Münster 2014 einzusetzen. Unter diesen Piktogrammen befindet sich eines für barrierefreie Gestaltung im Internet. Viele Websites in der Szene sind nicht barrierefrei und können daher von den Lesegeräten sehbehinderter Menschen nicht oder nur schlecht wiedergegeben werden. Die Kampagne "anders und gleich" nimmt sich diese Anregung zum Anstoß, die Homepage www.andersundgleich-nrw.de im kommenden Jahr dahingehend zu modernisieren.

Kommunen haben oft Aktionspläne für die Inklusion von Menschen mit Behinderung. So ist auch die Stadt Münster auf dem Weg zur inklusiven Stadt: Ihr Aktionsplan zur Umsetzung der UN- Behindertenrechtskonvention sieht ein kommunales Handlungskonzept vor. Richard Michael Halberstadt zeigte sich als Vertreter der Stadt bemüht, die speziellen Bedarfe von LSBTTI, die durch häufig auftretende Mehrfachdiskriminierung entstehen, in die Ausschüsse der Stadt Münster zu tragen und hier dafür zu sorgen, dass LSBTTI immer "mitgedacht" werden.

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Organisatorisches

Trägerin des Tagungswochenendes "queerhandicap vor Ort" vom 25.-27.10.2013 im barrierefreien JugendGästehaus Münster war der bundesweite Verein queerhandicap e.V. Organisiert wurde das gesamte Tagungswochenende von einem mehrköpfigen Orga-Team. Es ist ein Kreis von LSBT mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen. In 2013 waren dies: Werner, Lothar, Marcel, Jan, Cindy, Corrie, Andreas.

Einige davon waren in den Vorjahren schon aktiv beim "NRW-Treffen von LSBT mit Behinderungen" und dem Forum queerhandicap 2011. Trägerin oder Kooperationspartner dieser Treffen war stets auch die LAG queerhandicap im Schwulen Netzwerk NRW e.V.. Sie stand auch "queerhandicap vor Ort" 2013 mit Rat und Tat zur Seite.

Das Wochenende wurde weit überwiegend aus Beiträgen der Teilnehmenden und Eigenmitteln des Vereins finanziert. Eine Förderung, wie bei ähnlichen Treffen in den Vorjahren, kam dieses Jahr trotz langwierigen Bemühens nicht zustande. Der Einsatz von Gebärdendolmetschern war uns infolge dessen nicht möglich. Gehörlosen Interessenten mußten wir daher dieses Jahr leider eine Absage erteilen.

 zu: Infoseite LAG queerhandicap NRW

 zu: Infoseite queerhandicap e.V.

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Treffen in den Vorjahren

Bereits in den Vorjahren lud die LAG queerhandicap NRW zu überregionalen Treffen für LSBT mit Behinderungen. Für weitere Informationen folge einfach nachstehendem internen Verweisen zu den Berichten:

Motto-Logo: "alle anders, alle gleich"

 zu: Doku NRW ´07

Motto-Logo: "Brücken schlagen mit queerhandicap"

 zu: Doku NRW ´08

Karin und Cindy im Gespräch

 zu: Doku NRW ´09

Motto-Logo: "Doppelt diskriminniert ist voll daneben"

   zu: Forum ´11


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